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Malerpionierin Hedwig Scherrer geehrt

Kirchberg/Bazenheid Mit der Vernissage ihrer Werkausstellung und der Edition eines Albums erinnerte die Hedwig-Scherrer-Stiftung an das Werk der Ostschweizer Malerin.

Peter Küpfer

redaktiontoggenburgmedien.ch

Die bewegte und bewegende Biografie der zu Unrecht wenig bekannten Ostschweizer Künstlerin Hedwig Scherrer zeigt das Bild einer willensstarken und eigenständigen Persönlichkeit. Hedwig Scherrer (1878-1940) war eine der ersten Frauen, die ihr Künstlertum auch gegen damalige männliche Vorurteile lebte und durchsetzte. Sie war leidenschaftliche Bergsteigerin und Hochgebirgs-Skisportlerin, was damals eine Pioniertat war. Die Künstlerin schlug eine Liebesheirat und «gute Partie» zu Gunsten ihres kreativen Wirkens aus und setzte sich schon früh menschlich, politisch und künstlerisch für den Frieden und gegen den Krieg ein – das alles unverbissen, menschenfreundlich, manchmal humorvoll und immer mit ausserordentlicher Bescheidenheit.

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Werkprobe als Buch erhältlich

Das Album trägt den selbstironischen Titel «Einige Bilder von der ehr- und tugendsamen Jungfrau Hedwig Scherrer». Die Künstlerin hat es ihrem Vater 1920, zu dessen 73. Geburtstag überreicht. Es ist als Rarität, in nur100Exemplarengedruckt,an der Ausstellung in Bazenheid zu erwerben und kostet 25Franken. Das ansprechende Heft enthält meisterhafte Selbstportraits, welche ironisch-selbstironischen Skizzen und alten Familienfotos gegenübergestellt sind. DasGanze ist mit humoristischen Kurzversen kommentiert. Das Büchlein gibt Einblick in das Wesen der Künstlerin und ihr grosses Können. Mit leichtem Stift wird Stellenweise auch das Problematische ihrer Vaterbeziehung verdeutlicht, ohne dessen finanzielle Zustüpfe die bescheiden lebende Künstlerin nicht hätte auskommen können. (pek)

Aus dem Album mit Karikatur und Selbstportrait. «Wenn er den Beutel zieht heraus... (links) ...so drückt die Haltung Spannung aus.»

Hinweis Öffnungszeiten der Ausstellung in der Alten Zwirnerei Mühlau: Mittwoch, 24. Oktober, Sonntag, 28. Oktober, je von 14 bis 17 Uhr. Mittwoch, 31. Oktober, von 14 bis 17 Uhr, Lesung für Kinder mit Vreni Zünd von Märchen aus der Hand von Hedwig Scherrer. Samstag, 3. November von 14 bis 17 Uhr. Die Finissage findet am Sonntag, 4. November, von 14 bis 17 Uhr statt.

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Romantik pur – aus einem Guss

Mit ihrem Konzert in der Alten Zwirnerei Mühlau vom 6. November 2016 am späten Sonntagnachmittag machte das Manesse-Quintett seinem Namen alle Ehre.

Hier finden Sie den Artikel von Peter Küpfer aus dem St. Galler Tagblatt vom Mittwoch 9. November als PDF ...

Antonia Ruesch, Christine Baumann, Isabel Bösch, Brigitte Maier sowie Sibylle Bremi (von links).
Bild: Peter Küpfer

Glanzvolles Konzert in der Alten Zwirnerei Bazenheid vom 15. November 2015

Die fünf Musikerinnen des Manesse-Quintetts überzeugten durch ihr sensibles und perfektes Zusammenspiel: Antonia Ruesch, Christine Baumann, Isabel Bösch, Brigitte Maier Büchel, Sibylle Bremi, von links.

Das Kammermusikkonzert des Manesse-Quintetts zog einmal mehr zahlreiche Musikfreunde in den Ulrich Bräker-Saal. Sie genossen ein abwechslungsreiches Programm und spendeten den fünf beseelten Musikerinnen am Schluss langanhaltenden Applaus.

Peter Küpfer

Bazenheid. Unter dem Namen Manesse-Quartett bestreiten vier Musikerinnen seit Jahren eindrucksvolle Auftritte: Antonia Ruesch (Violine), Christine Baumann (Violine), Brigitte Maier Büchel (Viola) und Sibylle Bremi (Violoncello). Seit einiger Zeit gesellt sich auch Pianistin Isabel Bösch dazu, so dass das ursprüngliche Quartett dann als Quintett aufspielt. Das war auch am Sonntagnachmittag im Ulrich Bräker-Saal der Alten Zwirnerei Mühlau wieder der Fall. Die fünf professionellen Musikerinnen spielen alle in namhaften Orchestern, zum grossen Teil in unserer Region. Sie sind durch ihre musikpädagogische Tätigkeit auch an der Heranbildung jüngerer Musikergenerationen aktiv beteiligt. Sie selbst pflegen das Zusammenspiel „auf Augenhöhe“, wo jedes Instrument und jede Persönlichkeit das Ihre zum Gesamten beiträgt. Dieses Bestreben war auch dem Konzert in der Mühlau anzumerken. Die Musikerinnen erzeugten durch ihr sensibles und hellwaches Zusammenwirken einen beglückenden, elektrisierenden Gesamteffekt. Auf dem Programm in Bazenheid stand Haydns Streichquartett in D-Dur, Mendelssohns Strichquartett opus 81 sowie Robert Schumann Klavierquintett Es-Dur (op. 44).

Leichtigkeit und Anmut

Haydns D-Dur-Quartett (Nr. 4) aus den sogenannten „Sonnenquartetten“ (op. 20) entstammt der mittleren Schaffensphase (entstanden 1772). Es ist nach Meinung der Kritik das variantenreichste und für die damalige Zeit auch kühnste Werk des opus. Gleich zu Beginn wird den bisher eher begleitenden tiefen Instrumenten ihre aktive, manchmal sogar initiative Rolle zugewiesen. So tritt beipielsweise das Cello im zweiten Satz solistisch hervor und treibt das musikalische Geschehen im vierten Satz (Trio) ungestüm beschleunigend voran. Während des ganzen Stückes kommt es zu intensiven Dialogen nicht nur der expressiven Violinen (Christine Baumann und Antonia Ruesch) unter sich und mit den anderen Instrumenten, sondern auch zwischen Bratsche (Brigitte Maier) und Cello (Sibylle Bremi). Dieses intensive Miteinander entspricht ganz dem Temperament des Ensembles, das die Motive mit Lust aufgriff, sie variierte und den Mitspielenden so locker wie präzis zurückspielte - wie Federbälle.

Feuerbälle

Gespannt durfte man auch aufMendelssohns vier Sätze aus seinem Streichquartett op. 81 sein. Es handelt sich um vereinzelte Sätze aus dem Nachlass, die der Herausgeber zusammen als posthumes unvollendetes Werk herausgab. Die vier Einzelsätze stammen aber aus verschiedenen Schaffensphasen des Komponisten. So genommen enthalten sie „den ganzen Mendelssohn“. Der erschien denn auch, heraufbeschworen durch das intensive, hingebungsvolle Spiel der vier Musikerinnen. Während sich im ersten Satz sein melodiöses Leitmotiv zunächst erst langsam herausschälte, wie aus Träumen, entwickelte sich die Expressivität des Scherzos und des finalen Capriccios zu ungestümen Klangwirbeln. Unter Mendelssohns Leidenschaftichkeit wurden die oben erwähnten Federbälle zu Feuerbällen, die bei aller musikalischer Kontrolle eher an Vulkane erinnerten als an Tanzparkette in Hofsälen.

Höhepunkt mit Schumann

Höhepunkt des Programms war zweifellos Schumann Klavierquintett Es-Dur (op. 44). Hier betrat nun auch die Pianistin das Podium. Isabel Bösch tritt seit einiger Zeit mit dem ursprünglich reinen Streichquartett auf, das sich dann natürlich Manesse-Quintett nennt. Das Quintett intonierte Schumanns epochemachendes Klavierquintett, das die Gattung damals erst eigentlich begründete, in grossartiger Gesamtleistung. So wie es 1843 bei seiner Uraufführung im Leipziger Gewandhaus (am Flügel Clara Schumann) einschlug wie eine Bombe, hat es auch für uns Heutige seine ganze Faszination bewahrt.

Das Ensemble folgte nach dem feurigen Einsatz mit dem Hauptthema den lyrisch zurückgenommenen Seitenwegen mit grosser Gestaltungskraft. Unheimlich und düster der Trauermarsch im Adagio, erregend und mitreissend die aufstrebenden Läufe des Klaviers, im Wechselspiel mit den Violinen; dann der triumphale Durchbruch in der finalen Doppelfuge, das Ganze unterlegt mit dem immer wieder unheilvoll raunenden Tremolos von Bratsche und Cello.

Das Publikum zeigte sich begeistert und dankte den fünf Musikerinnen mit anhaltendem Applaus für das beglückende Konzert.

Schwelgen in höchsten Tönen – Konzert vom 8. November 2015

Konzentriert im romantischen Hexenkessel der Gefühle: Philip Horsch (Violine), David Sonder (Piano) und Otto Horsch (Violoncello)

In der Alten Zwirnerei spielte das bewährte Trio um Otto Horsch vor einem begeisterten Publikum Perlen der Romantik. Die leidenschaftliche Musik wurde durch den Vortrag von themenverwandten Gedichten ergänzt.

Bazenheid. Einmal mehr führte der verdiente Kirchberger Musiker Otto Horsch seine schon fast zur Tradition gewordene noble Geste weiter, wie Stiftungsratspräsident Jürg Aeschlimann bei der Begrüssung sagte. Seit einigen Jahren nämlich feiert Otto Horsch seinen Geburtstag und den fast damit zusammenfallenden seines Sohnes Philip mit einem öffentlichen Konzert in der Alten Zwirnerei. Wie schon beim Konzert vom vergangenen Sommer sass auch diesmal wieder Pianist David Sonder mit auf dem Podium. Es standen zwei Schlüsselwerke der Romantik im Zentrum. Mit Robert Schumanns Erstem Klaviertrio (op. 63) und dem H-Dur Trio von Johannes Brahms (op. 8) befand man sich auch entstehungsgeschichtlich im Herzen der Romantik. Philipp Horsch, Otto Horsch und David Sonder, alle drei der klassischen Musik in unserer Region verbunden, intonierten die zu Recht als „schwierig“ geltenden Werke mit grosser Hingabe. Sie verhalfen damit einem dankbaren Publikum einmal mehr zu einem ausgesuchten musikalischen Erlebnis, das auf lange anhaltenden, intensiven Beifall stiess.

Hexenkessel der Gefühle

Schumann schrieb sein Klaviertrio op. 63 im „Kammermusikjahr“ 1842, in einer Zeit, als er sich kompositorisch intensiv mit Bach auseinandersetzte. Die ersten drei Sätze mögen etwas davon spüren lassen, dass Schumann sie „in einer Zeit düsterer Stimmungen“ schrieb: Leidenschaftliche Unruhe dominiert den ersten Satz und das Scherzo. Auch das Adagio in a-moll, der einzige langsame Satz, ist in seiner Rhythmik noch von der Unruhe geprägt, die das gesamte Trio charakterisiert. Das triumphale Finale erklang sehr kräftig und wirbelte sich am Schluss höchst intensiv, fast explosionsartig in die Luft. Der Satz ist zu Recht von Schumann „Mit Feuer“ überschrieben, und mit Feuer wurde er auch intoniert, stellenweise ein wahrer Hexenkessel.

Jugendwerk mit Reifespuren

Etwas anders liegen die Dinge bei Brahms wunderbarem opus 8, für viele ein Schlüsselwerk der Romantik und für Brahms überhaupt. Er hat es in jungen Jahren hingeschrieben und 1854, als 21-jähriger, dem ersten Notenkonvolut zugesellt, den sein Verleger Simrock als Werke des jugendlichen Wunderkindes veröffentlichte. In den Jahren der Reife hat Brahms sein Jugendopus 1889 noch einmal überarbeitet, mit zum Teil weitgehenden Veränderungen. Die drei Musiker gaben auch hier alles und loteten die Leidenschaftlichkeit und den gereiften Formwillen des Komponisten aus. Bei den oft fast schmerzvoll intensiven Tönen in den höchsten Lagen, hervorgerufen von einer entfesselten Violine und einem furiosen Piano, empfand man die seelenvoll gespielten ruhigeren Passagen des Violoncellos als wohltuend. Sie taten der Spannung keineswegs Abbruch, sondern kommentierten und interpretierten sie, bauten ihr auch oft vor.

Themenverwandte Gedichte

Diese musikalische Gefühlssprache wurde durch textuelle ergänzt. In einem Gedichtvortrag mit kommentierenden Passagen trug Germanist Peter Küpfer zunächst zwei „Programmgedichte“ der deutschen Romantik vor, Brentanos „Eingang“ und Eichendorffs berühmte „Mondnacht“, das von Schumann in seiner Liedfassung um die ganze Welt ging. Peter Küpfer erinnerte an den Zwiespalt der deutschen Romantiker, welche gerade auch durch die Kunst den tiefen Graben überwinden wollten, welcher das Materielle von der geistigen Sphäre trennt. Wie er ausführte, ist dieser Graben auch heute noch höchst aktuell. Den Schluss des Vortrages machte Hans Carossas beruhigendes Gedicht „Der alte Brunnen“, welche das Leben als Wanderschaft fasst, in dem wir Wanderer auch immer wieder auf einen uns erfrischenden Brunnen oder ein gastliches Dach hoffen dürfen. (pd.)

Bild: Germanist Peter Küpfer beim Gedichtvortrag: „Die Kluft zwischen dem Materiellen und dem Geistigen ist auch heute noch sehr aktuell.“

 

Rezitation:

Drei themenverwandte Gedichte

Clemens Brentano

Eingang

 

Was reif in diesen Zeilen steht,
Was lächelnd winkt und sinnend fleht,
Das soll kein Kind betrüben,

Die Einfalt hat es ausgesät,
Die Schwermut hat hindurchgeweht,
Die Sehnsucht hat's getrieben;

Und ist das Feld einst abgemäht,
Die Armut durch die Stoppeln geht,
Sucht Ähren, die geblieben,

Sucht Lieb, die für sie untergeht,
Sucht Lieb, die mit ihr aufersteht,
Sucht Lieb, die sie kann lieben.

Und hat sie einsam und verschmäht
Die Nacht durch dankend in Gebet
Die Körner ausgerieben,

Liest sie, als früh der Hahn gekräht,
Was Lieb erhielt, was Leid verweht,
Ans Feldkreuz angeschrieben,

O Stern und Blume, Geist und Kleid,
Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit!

 

(entstanden 1735, gewidmet seiner Jugendliebe Marianne von Willemer; wurde der Volkslied-Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ vorangestellt) 

Das vieldeutige, rätselhafte Gedicht hat einen eigenen musikalischen Zauber. Es ist zunächst als Bild zu lesen, modern ausgedrückt würde man sagen als Szene: Eine arme Frau sammelt im abgemähten Feld liegengebliebene Ähren auf. Dann muss man es auch allegorisch verstehen. Die arme Frau, die Ähren liest, ist die Armut. Als weitere allegorische Begriffe erscheinen die Einfalt, die Schwermut, die Sehnsucht. Auch dass die Gestalt einsam ist und „verschmäht“ worden ist, also Einsamkeit und Gegenstellung zur Gesellschaft, ist neben der Sehnsucht ein in der Romantik immer wiederkehrendes Motiv. Dann wird die Liebe genannt, dreimal, offensichtlich auch in ihrer religiösen Bedeutung und als Aussicht auf Erlösung. Die Armut, die durch das abgemähte Feld geht und die Nacht betend und die Körner ausreibend vor einem Feldkreuz verbringt, ist also offensichtlich nicht nur buchstäblich, quasi soziologisch zu verstehen, sondern auch als Existenz in der Bescheidenheit, offenbar aus leidvoller Erfahrung. Liebe in allen ihren Formen ist organisch verbunden ans Leid, wie es die religiösen Andeutungen am Schluss des Liedes erkennen lassen.

Brentano hat das Gedicht, das ursprünglich seiner Jugendliebe Marianne von Willemer gewidmet war, der Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ vorangestellt, dem Referenzwerk aller deutschen romantischen Dichter. Damit steht das Bild der aufgelesenen und ausgeriebenen Ähren auch für das Kreative, für das, was der Mensch entstehen lassen kann und das, was uns nach reicher Ernte als einige Körner in der Hand bleibt. Das ist für den Romantiker auch die Kunst. Das Lesen ist hier sowohl buchstäblich als auch symbolisch gemeint: Aufsammeln von liegengebliebenen und von vielen nicht beachteten Schätzen, also auch von Texten, die unser Sein deuten, wie das letztlich rätselhaft bleibende und nicht völlig auszudeutende Gedicht von Brentano selbst.

Joseph von Eichendorff

Mondnacht

Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis’ die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Schumann hat dieses wohl berühmteste Gedicht der deutschen Romantik 1840 vertont und ins Zentrum seines Liederkreises gestellt, in den Schaffensjahren, in denen auch das eben gehörte wunderbare Klaviertrio entstand. Auch dieses dreistophige Gedicht bleibt schwebend und in seiner Deutung letztlich unfassbar, wie die Musik. Der Himmerl repräsentiert im Kosmos der romantischen Dichtung das Absolute, das Ideale, dem sich die Kunst, in einer Art religiösem Aufschwung, annähern kann. Wenn ihr diese Annäherung gelingt, dann ist ihre Sendung erfüllt, dann haben sich Geist und Materie wieder mit einander vereint, Hauptvoraussetzung für das Anbrechen einer neuen Goldenen Zeit, worauf die Romantiker, und vielleicht nicht nur sie, hoffen und auch dafür arbeiten.

Im Kunstwerk, in der Malerei, in der Musik kann dieser Endzustand, auf den sich die Menschheit hinbewegen muss, erahnt werden. Deshalb ist das Sehnsuchtsmotiv in dieser Kunstauffassung so stark. Der Mensch, der in seiner materiellen, und heute müsste man sogar sagen: nur oder vorwiegend materiellen Welt befangen ist, geht in die Irre. Nur wenn er sich von der Kunst in Richtung auf das Geistige, auf das Ideale, leiten lässt, hat er Aussicht, sich und damit auch die Menschheit wirklich zu befreien. Deshalb ist das im Gedicht gestaltete Fernweh, die seelische Erhebung des lyrischen Ichs, das in den Abendhimmel schaut und sich mit den Vögeln weit über den Horizont hinaus bewegen möchte, gleichzeitig auch „Heimweh“ und Heimkehr, das Zurückgewinnen des Einklangs von Körper und Geist.

Zum Abschluss dieses Textbeitrags ein Gedicht, das dem 20. Jahrhundert entstammt. Es schliesst in seiner Gefasstheit eher an die Musik von Brahms an, die wir jetzt gleich hören werden, als an Schumann. Es stammt von Hans Carossa und hat den Titel: „Der alte Brunnen“. Carossa hat es seinem Freund und literarischen Mentor Hugo von Hofmannsthal zu dessen 50. Geburtstag überreicht. Es bezeugt zwar mit dem Thema des Lebens als grosse Wanderschaft auch wieder Wurzeln, die auf die Romantik zurückverweisen. Es ist aber nicht auf einem sehnsüchtig-melancholischen Mollton, sondern einen tröstlich-realistischen Ton gestimmt, gleichsam auf Dur. Damit passt es auch stimmungsmässig gut zu Brahms und seinem H-Dur Trio. Das Leben von uns Menschen ist zwar eine Wanderschaft, auf die wir uns begeben müssen. Diese kann weit führen und mitunter strapaziös sein, aber sie wird gemildert von einem hohen Wert, den alle Völker dieser Welt gleich hoch schätzen, von der Gastfreundschaft nämlich. Irgendwo ist immer wieder ein Brunnen, der auch für uns fliesst, irgendwo ist immer ein gastliches Dach, unter dem wir unterkommen. Von daher ist der Brunnen sowohl Symbol für den Lebensfluss als auch für die Obhut, die wir Menschen für einander aufbringen können, und auch sollten.

Hans Carossa

Der alte Brunnen

Lösch aus dein Licht und schlaf! Das immer wache
Gesplätscher nur vom alten Brunnen tönt.
Wer aber Gast war unter meinem Dache,
Hat sich stets bald an diesen Ton gewöhnt.

Zwar kann es einmal sein, wenn du schon mitten
Im Traume bist, daß Unruh geht ums Haus,
Der Kies beim Brunnen knirscht von harten Tritten,
Das helle Plätschern setzt auf einmal aus,

Und du erwachst, — dann mußt du nicht erschrecken!
Die Sterne stehn vollzählig überm Land,
Und nur ein Wandrer trat ans Marmorbecken,
Der schöpft vom Brunnen mit der hohlen Hand.

Er geht gleich weiter. Und es rauscht wie immer.
O freue dich, du bleibst nicht einsam hier.
Viel Wandrer gehen fern im Sternenschimmer,
Und mancher noch ist auf dem Weg zu dir.

Dr. Peter Küpfer

Ein bemerkenswertes Comeback – Konzert vom den 25. Oktober 2015

Das Ensemble "il piacere" versteht ausgezeichnet, mit den hervorragenden Darbietungen die Zuhörenden in seinen Bann zu ziehen, ihnen die Musik ins Herz zu spielen.

Das Eröffnungskonzert in Bazenheid galt Tomaso Albinoni, Paul Hindemith und Joh. Seb. Bach

Vroni Krucker (Erstveröffentichung in Infowilplus)

Nach einem Jahr Pause - aus gesundheitlichen Gründen - feierte Anne-Maria Bagdasarjanz ein sehr bemerkenswertes Comeback im stimmungsvollen Ulrich-Bräker-Saal.

 

Peter Küpfer, Präsident der Stiftung Alte Zwirnerei Mühlau in Bazenheid lobte Anne-Maria Bagdasarjanz für ihren unermüdlichen Einsatz im Dienste der Musik und der Stiftung. Sie sei die treibende Kraft und setzte sich stets ein für gute Konzerte im ehemaligen Farbrikgebäude, wo schon ihr Grossvater, ein armenischer Flüchtling aus Tiflis, gepredigt hatte. Dort steht auch ein wunderschöner Flügel, Leihgabe der Sologeigerin. Was ebenfalls besonders ist an diesem Raum – noch immer haftet ihm der angenehme Geruch von Faden an, der sich in den Mauern festgesetzt hat.

Musikalischer Dank an Ärzte und Pflegende
Dass die Musik, vor allem die Geige die Seele der Künstlerin ist,spürt man sofort. Sie lebt für und mit der Musik und hat auch Schmerzen und Spitalaufenthalte in Kauf genommen. „Im vergangen Jahr haben Chirurgen ein kleines Wunder vollbracht und mir die Stabilität in Hüfte und Schulter zurückgegeben“, freute sie sich. Jetzt kann sie wieder aus dem Vollen schöpfen, ihre geliebte Musik leben und übt oft wieder fünf Stunden am Tag. Das erste Konzert widmete sie speziell den hervorragenden Ärzten und den fürsorglichen Therapeuten und Pflegenden.

Il piacere
Aus dem Kreis von Freunden, Kolleginnen und Kollegen gründete Anne-Maria Bagdasarjanz das Kammermusikensemble „Il piacere“. Dazu gehören bewährte Berufsmusiker, aber auch junge Talente, die hier eine Plattform zum Musizieren und Auftreten haben. Oft sind es ehemalige Musikschülerinnen, was die einstige Lehrerin besonders freut. Wiederum hat sie spezielle Leckerbissen ausgesucht und betonte: „Wir spielen, um uns selber und dem Publikum Freude zu bereiten“.

Tomaso Albinoni (1671-1751)
Den Auftakt machte die „Sinfonia a cinque op. 2/3“ vom venezianischen Musiker Tomaso Albinoni. Dem wunderschönen, ruhigen Largo folgte das lebhafte Allegro und leitete über zum getragenen Grave, um mit einem rassigen Allegro zu enden – ein perfektes Werk zum Konzertbeginn. Anne-Maria Bagdasarjanz weiss so viel von Musik, Komponisten, Professoren und Dirigenten berühmter Orchester zu berichten, dass man ihr stundenlang zuhören könnte.

Paul Hindemith (1859-1963)
Die oft etwas „schrägen“ oder auch schrillen Töne in den Kompositionen sind nicht jedermanns Sache und mit Sicherheit auch eine Herausforderung für die Akteure. Hindemith, ein jüdischer Flüchtling , gilt als einer der bedeutensten Komponisten der Moderne und grosser Bach-Kenner. Er schrieb zum Beispiel das Buch „Bach, ein verpflichtendes Erbe“. Nebst mehreren Doktortiteln erhielt er auch den Bach-Preis der Stadt Hamburg. Die fünf Stücke für Streichorchester sind weltberühmt, stehen oft auf Konzertprogrammen und verlangen viel Einfühlungsvermögen von den Musizierenden. Speziell im sehr langsamen Stück waren die akzentuierten, solistischen Einzeltakte von Johannes Pfister mit der Viola.

Joh. Seb. Bach (1685-1750)
Immer ein spezieller Genuss sind Werke vom grossen Bach. Sie haben Tiefe und zeugen von durchdrungener Religiosität. Möglicherweise schrieb Bach das Konzert in d-Moll BWV 1043 für Johann Georg Pisendel oder Jean-Baptiste Volumier in Dresden – vielleicht auch für sich selbst, denn sein Sohn Carl Philipp Emanuel bescheinigt ihm im Nekrolog, bis ins hohe Alter die Violine „rein und durchdringend“ gespielt zu haben. Das kann man auch von Frau Bagdasarjanz sagen wie sich in der Zugabe zeigte.

Ein Solo als verdienter Dank
Es ist bezeichnend, dass sie ihren Dank in musikalischer Form ausdrückt. Nach dem tosenden Applaus bot sie – auf Wunsch des Ensembles – ein Solo zu Ehren des Arztes, der ihr das Spielen in einer beeindruckenden Weise wieder ermöglicht hat. Sie präsentierte auf sehr imponierende Weise ihr Lieblingsstück, das „Presto“ aus der Bachsolosonate in G-Moll.
Hier zeigte sich die wieder gewonnene Geschicklichkeit einer blendenden Sologeigerin. Es liess aber auch erahnen, wie viele Übungsstunden dahinter stecken. Die Finger flogen in Windeseile über die Seiten und erzeugten zusammen mit dem einfühlsam geführten Bogen herrliche Musik. Die Künstlerin: „Ich durfte die Gewalt und Göttlichkeit des Komponisten erleben, die Noten kamen quasi von selbst“. Das begeisterte Publikum dankte mit tosendem Applaus und blieb dann einige Zeit ruhig sitzen, um ihr nachher persönlich zu gratulieren.

Grenzen sprengende Musik am 9.8.2015

In der Alten Zwirnerei Mühlau Bazenheid gastierten zwei herausragende russische Künstler. Ihr Konzert stand unter dem Motto „Im Zeichen der Freundschaft – über Ideologien hinweg.“

Das Konzert wurde im Vorfeld als eines „der Sonderklasse“ angekündigt. Nach allem, was dem Bazenheider Publikum am Sonntagnachmittag geboten wurde, kann man das nur bestätigen. Die beiden russischen Musiker aus Nischni-Nowgorod, Ilona Leopa (Klavier) und Stepan Eguraev (Bass-Bariton), musizierten beseelt und begeisternd.

Moderator und Übersetzer Siegfried Wilhelm (Nischni-Nowgorod) berichtete einleitend, wie es dazu gekommen ist, dass Initianten aus dem Katholischen Bildungswerk Immenstaad –Hagnau (deutsches Bodenseeufer) Ilona Leopa und Stepan Eguraev zu einer musikalischen Reise an den Bodensee eingeladen haben. Im Rahmen dieses freundschaftlichen Kontakts wurde auch das Bazenheider Konzert möglich. Die beiden russischen Künstler wirken beide als Dozenten am Glinka-Konservatorium in Nischni-Nowgorod. Das Bazenheider Programm war eine Mischung aus Klassik und traditionellem russischem Liedgut. Dabei berührten besonders die eigens für die Reise einstudierten deutschsprachigen Beiträge, darunter auch Mozarts bekannte Leporello-Arie. Sie war nicht nur ein stimmliches, sondern auch ein mimisches Ereignis. Das Liedprogramm wurde durch Solovorträge der Pianistin ergänzt, welche durch ihre technische Brillanz und stürmische Emotionalität beeindruckten.

 „Krieg ohne Ende?“

Die sich anschliessende ebenso berühmte Arie des Sarastro aus der Zauberflöte („In diesen heil’gen Hallen, kennt man die Rache nicht“) war in der gefühlvollen Interpretation des begnadeten jungen Sängers berührend. Dazu trug auch die Lesung von Ausschnitten  aus dem Roman„ Goldspur der Garben“  des russischen Nobelpreisträgers Tschingis Aitmatow bei, vorgetragen von Hubert Lehle (Immenstaad). Die kirgisische Landarbeiterin Tolgonai erzählt darin ihr karges Leben, dem der Krieg alles genommen hat, was ihr lieb war. Sowohl ihr innig geliebter Mann als auch ihre zwei Söhne liessen ihr Leben an den Fronten des Zweiten Weltkriegs, in welchem sich Russen und Deutsche jahrelang bis an die Zähne bewaffnet gegenüberstanden. Moderator Siegfried Wilhelm wies als Deutscher, der in Russland lebt, eindringlich darauf hin: Wenn man den Blutzoll ermisst und das menschliche Leid, das dieser Krieg auf beiden Seiten angerichtet hat, so werden Sarastros Worte sogleich zur aktuellen und dringlichen Botschaft. Denn auch Sarastros Worte wirken über die Ideologien hinweg: „In diesen Mauern kann kein Verräter lauern, weil man dem Feind vergibt.“ In einer Zeit, wo hier und dort wieder Hass gegen Russland geschürt wird, sind Bestrebungen besonders wertvoll, die vom Geist der Verständigung der Völker getragen sind. „Können die Menschen denn nicht ohne Krieg leben“, fragt die gealterte Bäuerin eindringlich „Mutter Erde“, mit der sie sich in Aitmatows Roman im Zwiegespräch befindet. Und erhält von ihr die Antwort: Ich bin gross, ich bin unendlich, und ich habe Platz für alle Menschen.

Im zweiten Teil kam dann die traditionell inspirierte russische Volksmusik zu ihrem Recht. Es war den beiden Musikern aus Russland anzusehen, wie sie sich darüber freuten, dass das Publikum zu den aufpeitschenden Rhythmen im Takt mitklatschte. Hier sowie in mehreren Zugaben entfaltete sich noch einmal die ganze Brillanz und Bandbreite der beiden grossartigen russischen Künstler. (pd.)

Voller Saal für glanzvolle Barockmusik St. Galler Tagblatt vom Dienstag 10. Februar 2015

Anne-Maria Bagdasarjanz und das von ihr gegründete Ensemble «Il Piacere» luden zu ihrem Frühlings-Vorboten-Konzert in die Alte Zwirnerei Mühlau. Solisten wie Ensemble überzeugten durch musikalische Sensibilität.

PETER KÜPFER

BAZENHEID. Der stimmungsvolle Ulrich-Bräker-Saal füllte sich bis auf den letzten Platz. Und so war es auch auf dem Podium, auf dem die Musikerinnen und Musiker des Ensembles Il Piacere sich fast ein wenig drängten. Denn mit den beiden virtuosen Solisten Anne-Maria Bagdasarjanz und Johannes Pfister (Violine) spielten nicht weniger als neun weitere Kammermusikerinnen und Kammermusiker und erfüllten den Saal mit ihren hinreissenden Klangfiguren: Annina Bieri und Christa Schutzbach (1. Violinen), Maria Bischof, Susanne Falkner und Uwe Hauswirth (2. Violinen), Stefan Schärli (Viola), Otto Horsch (Violoncello), Werner Broger (Kontrabass) und Stephan Giger (Cembalo). 

Musikalische Homogenität

Auf dem Programm standen die Sinfonia a cinque von Tomaso Albinoni, einem Glanzstück des Barocks, das selten aufgeführte Konzert a-Moll für Violine und Streichorchester von Georg Philipp Telemann sowie das hinreissende Konzert in a-Moll für zwei Soloviolinen und Streicherensemble von Antonio Vivaldi. Tomaso Albinonis «Sinfonia a cinque» ist ein Juwel unter den barocken Schöpfungen Italiens. Das Ensemble zeigte schon in den ersten Takten seine Qualitäten, die es bis zum letzten Ton beibehielt: Präzise und voll klingende Einsätze, sensibles Wechsel- und Antwortspiel mit den beiden solistischen Violinen und ein hoher Grad an musikalischer Homogenität. So entstand ein festliches Konzert «con brio», das die Herzen des Publikums spürbar erwärmte, fast wie die schüchternen Sonnenstrahlen, welche am frühen Sonntagnachmittag bis ins Untertoggenburg hinabdrangen und den hart überfrorenen Schnee kitzelten. Telemanns Violinkonzert in a-Moll wird selten aufgeführt. Es wurde für dieses Konzert mit spezieller Genehmigung des Verlages aus dessen Archiv kopiert. Die Musiker zeigten sich, wie Anne-Maria Bagdasarjanz im Gespräch verriet, entzückt über diese Trouvaille. Die Freude an der Eleganz dieses Konzerts war der Solistin wie Ensemble anzumerken. Sie brachten die zierlichen Episoden des 1. Satzes fast liedhaft zum Klingen, liessen die berückenden, stellenweise sogar bedrückenden Motive im Andante so ertönen, dass sie einem unter die Haut gingen und mischten sich im rasanten Presto mit den anderen Stimmen zu einem glanzvollen, jubelnden Finale.

Echte Innigkeit

Antonio Vivaldi legte mit seinem a-Moll-Konzert für zwei Violinen und Streicherensemble eine weitere virtuose Komposition vor. Der 1. und der 3. Satz wurden mit Temperament und Brillanz intoniert, während der langsamere Mittelteil in seiner echten Innigkeit zu Herzen ging. Er ist mit «spiritoso» überschrieben, und Solisten wie Ensemble gelang auch hier eine von innen getragene, spirituelle Musik. Die Organisatoren bedankten sich bei den beiden Solisten und dem Ensemble für ihren grossen, stark ideell motivierten Einsatz. Es ist Anne-Maria Bagdasarjanz mit ihrem andauernden Engagement gelungen, immer wieder namhafte Musiker nach Bazenheid zu bringen, wo sie sich inzwischen in gemeinsamer Arbeit «ihr» Publikum geschaffen haben.

Auszug aus dem St.Galler Tagblatt ... 

 

Alttoggenburger vom Dienstag 11. November 2014

Musikalisches Geburtstagsfest in Alter Zwirnerei

Am Sonntagnachmittag lud Otto Horsch mit Ensemble zum schon fast traditionell gewordenen musikalischen Geburtstagskonzert in den Ulrich-Bräker-Saal – ein Fest für Ohr und Sinne. Zur Aufführung gelangten das «Harfen-Quartett» von Ludwig van Beethoven sowie das Klarinetten-Quintett von Johannes Brahms.

PETER KÜPFER

BAZENHEID. Zwischen die zwei Klassiker der Kammermusik plazierten die Organisatoren eine Lesung eines zum Thema passenden Textes von Stefan Zweig.

Berührender Beethoven

Das Harfen-Quartett, offiziell heisst es Streichquarett in Es-Dur op. 72, komponierte Beethoven im Herbst 1809. Wie Germanist Peter Küpfer in der Einleitung zu seiner Lesung ausführte, entstand es in der Epoche der Entstehung der 5. Symphonie, als der Meister bereits unter den Auswirkungen seines Gehörschwunds litt. Zudem befand sich Wien wenige Monate vorher ganz in der Nähe eines dramatischen Kriegsschauplatzes, der Schlacht von Aspern, welche im Eroberungskrieg Napoleons um die Vorherrschaft in Europa 40000 Soldaten das Leben kostete. Von daher, so der Vortragende, verstehe man die teilweise düsteren Melodienführungen des Meisters gerade in diesem Werk besser. Otto Horsch (Leitung und Violine) schlug von Beginn an einen entschiedenen, leidenschaftlichen und schnellen Duktus an. Seine Mitspieler (Johannes Pfister, 1. Violine), Sohn Philip Horsch (Viola) und Hansruedi Nick (Violoncello) blieben ihm nichts schuldig und nahmen nicht nur seine Vorgaben auf, sondern gaben sie ebenso präzise und konzentriert zurück – ein musikalischer Hochgenuss.

«Händels Auferstehung» Die literarische Lesung im Mittelteil des Konzertes war weder Beethoven noch Brahms, sondern dem die meiste Zeit seines Lebens in London wirkenden Georg Friedrich Händel gewidmet. Stefan Zweig beschreibt in seinem Werk «Sternstunden der Menschheit» unter anderem auch die dramatische Entstehungsgeschichte von Händels Oratorium «Der Messias». Das entsprechende Kapitel trägt bei Zweig den Titel «Händels Auferstehung». Der cholerische, zu Bluthochdruck neigende Komponist erlitt im Alter von 53 Jahren einen dramatischen Hirnschlag. Ärzte und Umfeld befürchteten das Schlimmste. Aber entgegen aller Erwartungen erholte sich Händel in Rekordzeit. Obwohl er nach der körperlichen Genesung in eine noch tiefere seelische Krise geriet, rappelte er sich auch aus dieser heraus und schrieb schliesslich,unter dem Eindruck dieser seiner «Auferstehung», den «Messias » in einem gigantischen Kraftakt innerhalb von wenigen Wochen nieder, gleichzeitig von tiefer Dankbarkeit und von fast übermenschlichen Kräften getrieben.

Verzehrender Brahms

Brahms nicht minder dramatisches Klarinetten-Quartett (op. 115) wirkte, zwar nicht von der Thematik, aber von der musikalischen Art her, wie Balsam auf die von Beethoven und der Lesung aufgewühlte Seele. Solist Thomas Fele entlockte seinem Instrument, das so sehr geeignet ist, starke Emotionen wiederzugeben, alles: Sehnsucht, leidenschaftlichen Aufschrei, wehmütiges Klagen und jubelnden Triumph. Das Ensemble lief hier punkto Präzision und Aufnehmen und Zurückgeben der musikalischen «Pässe» zur Hochform auf und bereitete dem Publikum, das dies mit langanhaltendem Applaus verdankte, viel Genuss. Wie Urs Knoblauch (Kulturkommission Alte Zwirnerei Mühlau) in seinen Dankesworten an die Mitwirkenden sagte, hatten sich Musik und literarischer Text gelungen zu einer gemeinsamen Aussage vereinigt.

Bild unten: Der Musik ergeben: Otto Horsch (1. Violine und Leitung), Johannes Pfister (2. Violine), Philip Horsch (Viola) und Hansruedi Nick (Violoncello) (von links). Bild: Peter Küpfer

Alttoggenburger vom Dienstag 27. Mai 2014

Festliches Frühlingskonzert in der Alten Zwirnerei
 

Anne-Maria Bagdasarjanz (Violine) und Stephan Giger (Klavier) spielten im stimmungsvollen Ulrich Bräkersaal Kammermusik vom Feinsten. Das Konzert hatte aus verschiedenen Gründen Festcharakter.
 

Bazenheid – Auf dem Programm standen Werke von J. B. Accolay, Antonin Dvorak, Edvard Grieg und George Gershwin.

Die beiden Solisten erwiesen sich auch diesmal als perfekt auf einander eingeschworenes Duo, welches das anspruchsvolle Riesenprogramm mit der ihnen eigenen Verve und Sensibilität von Höhepunkt zu Höhepunkt gestalteten. Schon das einleitende Concertino No  1 in a-Moll von Jean Baptiste Accolay verlangte ihnen alles ab.

Die „Sonatine“ von Antonin Dvorak ist mit ihren vier Sätzen eine ausgewachsene "Sonate“. Obwohl zu Drovraks Jugendwerken zählend und für seine Kinder geschrieben, enthält sie schon die ganze musikalischer Tiefe, die diesem Komponisten eigen ist. Die heiteren, gesangshaften Partien wechseln ab mit lyrisch-melancholischen Passagen.

Perfekt auf einander eingespieltes Duo

Immer wieder neu wurde man mitgerissen von tänzerischen Klängen, die nicht nur ins Ohr, sondern in die Beine fuhren, oft auch mitten ins Herz trafen. Es war herrlich, dem oft dramatischen Wechselspiel der Führungsmelodien und ihren Variationen zu folgen, einmal im hell metallischen, mitunter wieder warmen Klang des majestätischen Flügels, dann wieder im innigen Duktus der singenden und oft jubilierenden Violine. Edvard Griegs Sonate in F-Dur (op. 8) erklang zunächst verhalten, nordisch-düster. Aber auch hier lösten sich mehr und mehr befreiende, schliesslich jubilierende Töne, die in schwindelerregendem Tempo befeuerten und mitrissen.

Das Konzert schloss mit zwei Arien aus Georg Gershwins Oper "Porgy und Bess", beide in der Bearbeitung von Jacsha Heifetz: Zunächst das bekannte, sehnsüchtige Lied „Summertime“, dann das härtere, swingende „It Ain’t Necessarily So.“ Das Publikum applaudierte intensiv und anhaltend, so dass noch eine Zugabe folgte.

Grosszügiges Geschenk

Stiftungsratspräsident Dr. Jürg Aeschlimann bedankte sich bei den beiden Virtuosen für das herrliche Konzert. Ein weiteres Dankeschön galt dem Umstand, dass Anne-Maria Bagdasarjanz mit diesem Konzert der Trägerstiftung der Ulrich Bräker-Konzerte, der Psychologischen Lehr- und Beratungsstelle, ihren wertvollen Bechstein-Flügel zum Geschenk machte. Der Flügel wurde 1913 noch unter der persönlichen Aufsicht der Brüder Bechstein gearbeitet. Wie alle inzwischen zur Rarität gewordenen Flügel aus dieser Generation verfügt auch das aus der Familie der Musikerin stammende Instrument über den ursprünglichen weichen Klang, der die Bechstein-Flügel berühmt gemacht hat. Er stand schon einige Zeit im Ulrich Bräkersaal, bisher als Leihgabe der Künstlerin. Dort hat er durch seinen schönen Klang Musikfreunde immer wieder begeistert. Nun soll er, so will es Anne-Maria Bagdasarjanz, imn Ulrich Bräkersaal bleiben und dort noch oft so jubilierend erklingen wie anlässlich des Konzertes vom vergangenen Sonntagnachmittag, hoffentlich auch in Zukunft bei vielen Konzerten zusammen mit Maria Bagdasarjanz’ ergreifendem Violinspiel. (pd.)

Dieser Bericht ist ebenfalls am Dienstag 27. Mai auch im Toggenburger Tagblatt und in der Wiler Zeitung erschienen.

Alttoggenburger vom Dienstag 17. September 2013

BETTAGAUSKLANG

Anne-Maria Bagdasarjanz, Solovioline

Kammerensemble „Il piacere“

Johannes Pfister 1. Violine; Susanne Falkner und Monika Käufeler, 2. Violinen; Brigitte Maier, Viola; Franz Rudmann, Cello; Werner Broger, Kontrabass; Stephan Giger, Continuo

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Alttoggenburger vom 4. Juni 2013

Sommernacht

Anne-Maria Bagdasarjanz, Solovioline und Leitung

Michele Croce, Klarinette

Kammerensemble „Il piacere“

Susanne Falkner, 1. Violine; Monika Friedrich, 2. Violine; Johannes Pfister, Viola;Franz Rudmann, Cello; Werner Broger, Kontrabass; Stephan Giger, Cembalo.

Peter Küpfer: Literarischer Text

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Alttoggenburger vom Dienstag 23. April 2013

Kunstausstellung zum Urwaldspital Lambarene

Urs Knoblauch

Zu Gast im Ulrich-Bräker-Saal mit der im Kantonsspital Frauenfeld
viel beachteten Kunstausstellung:

Die Werte des Friedens stärken
 

„Die Ehrfurcht vor dem Leben“ - zur Ethik Albert Schweitzers
 

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WILER ZEITUNG vom Dienstag 29. Januar 2013

Musizieren mit Freunden

Die Bazenheider Violinvirtuosin Anne-Maria Bagdasarjanz lud Freunde zum Mitmusizieren in den Ulrich-Bräker-Saal. Dieses musikalische Ereignis wollten sich rund 200 Besucherinnen und Besucher nicht entgehen lassen.

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Alttoggenburger, 18. September 2012

Vituose Klänge im "Ulrich Bräkersaal"    

Zum Bettag erklang in der Alten Zwirnerei Mühlau ein festliches
Herbstkonzert mit zwei Vollblutmusikern.
Das Programm reichte von Schumann bis Prokofjew.

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Alttoggenburger, 28. Juli 2011

Mit dem «Brösmelitaxi» zum «kniggen» Benehmen

Im Rahmen der Stiftung Psychologische Lehr- und Beratungsstelle erlernen Kinder
über zwei Wochen wichtige Alltagskompetenzen und praktische Fähigkeiten.

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Alltoggenburger, 11. März 2009

Musikalischer Genuss der Extraklasse

Konzert f'ür Violine und Klavier in der "Alten Zwirnerei" Mühlau

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Wiler Zeitung, 9. September 2008

Wandel zum Massenphänomen

Waldemar Bruderer sprach über die Photographie im Toggenburg

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Wiler Nachrichten 26. Juni 2008

Feinstaub reduzieren kann jeder

Pneumologe Daniel Güntert sprach in Bazenheid über die Gefahren des Feinstaubs

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Wiler Zeitung 12. Februar 2008

Hackbrett-Boom

Referat des Musikinstrumentenbauers Karl Grob am Sonntag in der Mühlau 

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Wiler Zeitung, 24. September 2007

Sinnbild für Humanität

Walter Munz gewährte Einblicke in den Spitalalltag von Lambarene

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Wiler Zeitung, 15. Mai 2007

Holz spricht seine eigene Sprache

Kulturforum zur Toggenburger Volkskunst in der "Mühlau" in Bazenheid

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Wiler Zeitung, 15. Mai 2006

Bilder, die nicht davonlaufen

Schulische Ausstellung in der "Alten Zwirnerei Mühlau" über eine Zeit, in welcher Werte lange Zeit Bestand hatten

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